Selbstbestimmtes Wohnen ist eine kommunale Aufgabe: 8 Forderungen zur Stadtratswahl

Ein Großteil der Menschen mit Behinderung kann in Leipzig nicht so wohnen wie er will. Im Hinblick auf die Kommunalwahlen am 9. Juni haben Vertreter:innen des Netzwerks und andere Aktive auf mehreren Workshops deshalb Forderungen an die Leipziger Parteien formuliert.

Viele Punkte unterscheiden sich dabei nicht von den Bedarfen anderer Leipziger:innen. Wir sind überzeugt, dass die Umsetzung dieser Maßnahmen nicht nur die Lebensqualität einer großen Gruppe unserer Stadt verbessert, sondern auch zu einer gerechteren Wohnungspolitik für Alle beiträgt.

Unsere zentralen Anliegen:

1. LWB stärken und zum maßgeblichen Bau- und Sanierungsträger für bezahlbaren, barrierefreien Wohnraum machen

2. Wohnungsunternehmen in die Verantwortung nehmen: barrierefreien, sozialen Wohnungsbau steigern

3. Realistische Anpassung der KdU – Werte

4. Kommunale wohnungspolitische Regulierungen anpassen

5. Regelungen zur Barrierefreiheit konsequenter durchsetzen

6. Gemeinnützige, inklusive Wohnformen kommunal fördern

7. Perspektiven von Menschen mit Behinderung innerhalb der Verwaltung stärken.

8. Vollständige Barrierefreiheit der Leipziger Verkehrsbetriebe

Der ausführliche Katalog in Alltagssprache: forderungen-kommunalwahl-le-2024-alltagssprache

Die Version in Leichter Sprache: forderungen kommunalwahl-le-2024-leichte Sprache

Impulse einer Tagung – Selbstbestimmt Wohnen im Stadtteil: barrierefrei, inklusiv und bezahlbar

Zur inklusiven Tagung Selbstbestimmt Wohnen im Stadtteil: barrierefrei, inklusiv und bezahlbar am 21.03.24 in Leipzig-Paunsdorf sind vor Ort und online über 90 Personen zusammengekommen, um gemeinsam Strategien zu entwerfen, wie selbstbestimmtes Wohnen für Menschen mit Behinderung endlich zu mehr Realität werden kann.

Das wachsende Interesse an Barrierefreiheit zeigt sich aktuell an zahlreichen Fachveranstaltungen. Die Tagung des Innovativen Netzwerks Wohnen mit Behinderung war auch Fachveranstaltung, aber eine, in der die Stimmen von Selbstvertreter:innen, Inklusionsaktivist: innen und Zivilgesellschaft am deutlichsten waren und in den Dialog mit sozialen Trägern, Kommune und Baubranche treten konnten.

Der Tag hat gezeigt: Eine inklusive Veranstaltungsorganisation nützt allen. Dank praktischer Barrierefreiheit und dem Engagement von Übersetzer:innen in Schrift und Leichte Sprache konnten die Themen des Tages aus den verschiedensten Perspektiven betrachtet und bearbeitet werden.

Workshop 1 widmete sich der Frage, wie inklusive Stadtteilarbeit (von unten) gelingen kann und wurde von Sören Haak und Annett Heinich geleitet – beide langjährige Kämpfer:innen für Inklusion u.a. in der Initiative Neustadt(t)raum in Dresden. Im Workshop tauschten sich die Teilnehmenden über ihre Erfahrungen in der Stadtteilarbeit aus und entwickelten Ideen, wie Barrieren abgebaut werden können. Das Ergebnis: In Leipzig existieren bereits zahlreiche Organisationen, die sich zum Ziel setzen, die Stadt zugänglicher zu machen. Das Thema Inklusion dabei weniger isoliert zu betrachten, Austauschformate und Bildungsformate zu organisieren, birgt viel Potential für eine Recht-auf-Stadt-Bewegung. Diese wird erst dann wirkungsvoll, wenn sie nicht nur feministisch und antirassistisch, sondern auch inklusiv ist.

Die Teilnehmenden in Workshop 2 befassten sich mit dem Problem der Eingliederungshilfe, die eigentlich den gesetzlichen Auftrag hat, die Teilhabe von Menschen mit Behinderung zu fördern. In der Realität stehen Strukturen von Finanzierung und Leistungserbringung dem aber allzu oft im Wege. Sarah Lenz und Jelena Kecmann hat das Interesse an diesem Feld erst vor kurzen zusammengebracht. Sarah Lenz ist als Vorkämpferin für das persönliche Budget seit Jahrzehnten für die bedarfs- und nutzer:innenorientierte Gestaltung der Finanzierung der Eingliederungshilfe aktiv. In der Arbeit von Jelena Kecmann steht die Entwicklung eines nachbarschaftsbasierten Assistenzdienstes (QuartierPflege) im Vordergrund, in dem Menschen mit Behinderung sowohl Assitenznehmer:innen, als auch -geber:innen sein können. In ihrem Workshopformat konnten die Teilnehmenden sich erstens gemeinsam über ihre Probleme mit Kostenträgern und Leistungserbringern austauschen und zweitens Vorschläge entwickeln, welche Maßnahmen die Eingliederungshilfe ergreifen kann, um sich besser an den Bedarfen der Nutzer:innen zu orientieren.

Dank des vom Projekt Quabis (Uni Leipzig) geleiteten dritten Workshops konnten Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen gemeinsam an Forderungen arbeiten, durch die Selbstbestimmtes Wohnen für Menschen mit Behinderung endlich zur Normalität werden soll. Durch den inklusiven Ansatz von Quabis ist es möglich, Perspektiven auf Themen zu erschließen, die sonst selten gehört werden. In ihrem Format sind über 50 Forderungen zusammengekommen. Diese wird das Netzwerk Innovatives Wohnen mit Behinderung im Vorfeld der Kommunal- und Landtagswahlen an die potentiellen Entscheidungsträger:innen herantragen. Eine der wichtigsten Forderungen dabei: „Mehr bezahlbarer Wohnraum!“ zeigt noch einmal deutlich, dass Menschen mit Behinderung keine kleine alleinstehende Gruppe sind, sondern in erster Linie das gleiche brauchen, wie der überwiegende Teil von Leipzigs Mieter:innen.

Der Tag hat gezeigt, dass sich seit Projektbeginn des Innovativen Netzwerks Wohnen mit Behinderung besonders in Leipzig eine wachsende Basis formiert, die für eine inklusive Stadt einsteht. Obgleich die Zielmarke der UN-BRK noch weit entfernt ist, bilden sich immer mehr Kooperationen, die sich laut für ein selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderung einsetzen. Unter den Anwesenden war deutlich hörbar, wie wichtig Räume dafür sind, in denen Vernetzung und politische Artikulation stattfinden kann – besonders für Menschen, deren Teilhabe sonst oft eingeschränkt ist.

Diese Räume müssen häufiger eröffnet werden. Dafür gibt es im Kleinen, wie im Großen in vielen Kontexten Gelegenheit. Mit dem barrierefreien Bauen ist es wie mit einer inklusiven Veranstaltung: Am Ende profitieren alle davon.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden für den inspirierenden Tag und freuen uns auf weitere anregende Veranstaltungen.

Pressemitteilung: „Nur wer eine Auswahl hat, hat auch eine Wahl!“

## Hybride Tagung am 21. März 2024: „Selbstbestimmt wohnen im Stadtteil: barrierefrei, inklusiv und bezahlbar!“ in Leipzig ##

Das „Innovative Netzwerk Wohnen mit Behinderung“ veranstaltet am 21. März 2024 eine Tagung unter dem Motto: „Selbstbestimmt wohnen im Stadtteil: barrierefrei, inklusiv und bezahlbar!“. Die Tagung findet in den Räumlichkeiten des „Jugend- & Altenhilfevereins“ in Leipzig – Paunsdorf statt. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Für Verpflegung ist gesorgt. Der Zugang zum Veranstaltungsort ist barrierefrei. Vor Ort gibt es Übersetzer:innen für Leichte Sprache. Die Anmeldung kann über die untenstehenden Links vorgenommen werden. „Pressemitteilung: „Nur wer eine Auswahl hat, hat auch eine Wahl!““ weiterlesen

„Selbstbestimmt wohnen im Stadtteil: barrierefrei, inklusiv und bezahlbar!“ INWoB-Tagung am 21. März

Ein Großteil der Menschen mit Behinderung ist nach wie vor weit davon entfernt selbstbestimmt zu leben. Ein angespannter Wohnungsmarkt, der Mangel an ca. 100 000 bedarfsgerecht barrierefreien Wohnungen in Sachsen ist dafür nur ein Grund. Die Strukturen der Behindertenhilfe selbst und die vielen sichtbaren, wie unsichtbaren Barrieren in unseren Städten sind dafür ebenso verantwortlich. „„Selbstbestimmt wohnen im Stadtteil: barrierefrei, inklusiv und bezahlbar!“ INWoB-Tagung am 21. März“ weiterlesen

Elternvernetzung trifft sich am 04. Januar

Die Elternvernetzung zum Thema Wohnen mit Behinderung trifft sich wieder. Das Treffen richtet sich an Eltern von Kindern mit Behinderung, die auf dem aktuellen Wohnungsmarkt keinen adäquaten Wohnraum für ihre Kinder finden und überlegen selbst ein Wohnprojekt zu starten.

Wir treffen uns wieder in den Räumlichkeiten von DENKMALSOZIAL (Probstheidaer Straße 40a, 04277 Leipzig). Dieses Mal haben wir gleich zwei Gäste: Toralf Zinner von DENKMALSOZIAL, Ideengeber der der WG Connewitz und Annett Niederstraßer von Inklusiv LEben e.G. berichten von ihren erfolgreichen Projekten. Sie zeigen uns, wie inklusive Bau- und Wohnprojekte auf den Weg gebracht werden können.

Pressespiegel: INWoB beim Deutschlandfunk

Thyra Veyder-Malberg hat für den Deutschlandfunk hat einen Radiobeitrag unter dem Titel  „Leben mit Behinderungen – die schwierige Suche nach barrierefreien Wohnungen“ gemacht.

Janek Lassau aus dem Koordinationsteam des Innovativen Netzwerkes Wohnen mit Behinderung kommt darin auch zu Wort.