Impulse einer Tagung – Selbstbestimmt Wohnen im Stadtteil: barrierefrei, inklusiv und bezahlbar

Zusammenfassung

Zur inklusiven Tagung Selbstbestimmt Wohnen im Stadtteil: barrierefrei, inklusiv und bezahlbar am 21.03.24 in Leipzig-Paunsdorf sind vor Ort und online über 90 Personen zusammengekommen, um gemeinsam Strategien zu entwerfen, wie selbstbestimmtes Wohnen für Menschen mit Behinderung endlich zu mehr Realität werden kann.

Zur inklusiven Tagung Selbstbestimmt Wohnen im Stadtteil: barrierefrei, inklusiv und bezahlbar am 21.03.24 in Leipzig-Paunsdorf sind vor Ort und online über 90 Personen zusammengekommen, um gemeinsam Strategien zu entwerfen, wie selbstbestimmtes Wohnen für Menschen mit Behinderung endlich zu mehr Realität werden kann.

Das wachsende Interesse an Barrierefreiheit zeigt sich aktuell an zahlreichen Fachveranstaltungen. Die Tagung des Innovativen Netzwerks Wohnen mit Behinderung war auch Fachveranstaltung, aber eine, in der die Stimmen von Selbstvertreter:innen, Inklusionsaktivist: innen und Zivilgesellschaft am deutlichsten waren und in den Dialog mit sozialen Trägern, Kommune und Baubranche treten konnten.

Der Tag hat gezeigt: Eine inklusive Veranstaltungsorganisation nützt allen. Dank praktischer Barrierefreiheit und dem Engagement von Übersetzer:innen in Schrift und Leichte Sprache konnten die Themen des Tages aus den verschiedensten Perspektiven betrachtet und bearbeitet werden.

Workshop 1 widmete sich der Frage, wie inklusive Stadtteilarbeit (von unten) gelingen kann und wurde von Sören Haak und Annett Heinich geleitet – beide langjährige Kämpfer:innen für Inklusion u.a. in der Initiative Neustadt(t)raum in Dresden. Im Workshop tauschten sich die Teilnehmenden über ihre Erfahrungen in der Stadtteilarbeit aus und entwickelten Ideen, wie Barrieren abgebaut werden können. Das Ergebnis: In Leipzig existieren bereits zahlreiche Organisationen, die sich zum Ziel setzen, die Stadt zugänglicher zu machen. Das Thema Inklusion dabei weniger isoliert zu betrachten, Austauschformate und Bildungsformate zu organisieren, birgt viel Potential für eine Recht-auf-Stadt-Bewegung. Diese wird erst dann wirkungsvoll, wenn sie nicht nur feministisch und antirassistisch, sondern auch inklusiv ist.

Die Teilnehmenden in Workshop 2 befassten sich mit dem Problem der Eingliederungshilfe, die eigentlich den gesetzlichen Auftrag hat, die Teilhabe von Menschen mit Behinderung zu fördern. In der Realität stehen Strukturen von Finanzierung und Leistungserbringung dem aber allzu oft im Wege. Sarah Lenz und Jelena Kecmann hat das Interesse an diesem Feld erst vor kurzen zusammengebracht. Sarah Lenz ist als Vorkämpferin für das persönliche Budget seit Jahrzehnten für die bedarfs- und nutzer:innenorientierte Gestaltung der Finanzierung der Eingliederungshilfe aktiv. In der Arbeit von Jelena Kecmann steht die Entwicklung eines nachbarschaftsbasierten Assistenzdienstes (QuartierPflege) im Vordergrund, in dem Menschen mit Behinderung sowohl Assitenznehmer:innen, als auch -geber:innen sein können. In ihrem Workshopformat konnten die Teilnehmenden sich erstens gemeinsam über ihre Probleme mit Kostenträgern und Leistungserbringern austauschen und zweitens Vorschläge entwickeln, welche Maßnahmen die Eingliederungshilfe ergreifen kann, um sich besser an den Bedarfen der Nutzer:innen zu orientieren.

Dank des vom Projekt Quabis (Uni Leipzig) geleiteten dritten Workshops konnten Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen gemeinsam an Forderungen arbeiten, durch die Selbstbestimmtes Wohnen für Menschen mit Behinderung endlich zur Normalität werden soll. Durch den inklusiven Ansatz von Quabis ist es möglich, Perspektiven auf Themen zu erschließen, die sonst selten gehört werden. In ihrem Format sind über 50 Forderungen zusammengekommen. Diese wird das Netzwerk Innovatives Wohnen mit Behinderung im Vorfeld der Kommunal- und Landtagswahlen an die potentiellen Entscheidungsträger:innen herantragen. Eine der wichtigsten Forderungen dabei: „Mehr bezahlbarer Wohnraum!“ zeigt noch einmal deutlich, dass Menschen mit Behinderung keine kleine alleinstehende Gruppe sind, sondern in erster Linie das gleiche brauchen, wie der überwiegende Teil von Leipzigs Mieter:innen.

Der Tag hat gezeigt, dass sich seit Projektbeginn des Innovativen Netzwerks Wohnen mit Behinderung besonders in Leipzig eine wachsende Basis formiert, die für eine inklusive Stadt einsteht. Obgleich die Zielmarke der UN-BRK noch weit entfernt ist, bilden sich immer mehr Kooperationen, die sich laut für ein selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderung einsetzen. Unter den Anwesenden war deutlich hörbar, wie wichtig Räume dafür sind, in denen Vernetzung und politische Artikulation stattfinden kann – besonders für Menschen, deren Teilhabe sonst oft eingeschränkt ist.

Diese Räume müssen häufiger eröffnet werden. Dafür gibt es im Kleinen, wie im Großen in vielen Kontexten Gelegenheit. Mit dem barrierefreien Bauen ist es wie mit einer inklusiven Veranstaltung: Am Ende profitieren alle davon.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden für den inspirierenden Tag und freuen uns auf weitere anregende Veranstaltungen.